Private Equity: Die Kreditversicherung sollte auf der Checkliste vor einer Übernahme stehen

Fremdkapital, Liquidität, Betriebskapitalbedarf (BFR), Management Package, Carve-out-Planung … Investmentfonds analysieren jedes Detail einer Übernahme. Dennoch wird ein Hebel nach wie vor unterschätzt: die Kreditversicherung. Absicherung der Kundenforderungen, Aufrechterhaltung von Lieferantenkrediten, Finanzierungskapazität … Wird sie frühzeitig berücksichtigt, wird sie zu einem Instrument zur Risikominimierung, Wertsteigerung und Liquiditätsgenerierung.

DÉCIDEURS. Warum betrifft die Kreditversicherung Private-Equity-Fonds unmittelbar?

THIBAUT ROBET. Weil sie ein zentrales Thema für jeden Investor betrifft: die Stabilität der Cashflows der Portfoliounternehmen. Hinter einer Kreditversicherungspolice steht letztlich die Fähigkeit eines Unternehmens, seinen Umsatz abzusichern, seine Kundenkredite zu überwachen, seine Lieferantenkredite aufrechtzuerhalten und seine kurzfristige Finanzierung zu optimieren.

MARC CHAQUÈS. Lange Zeit wurde die Kreditversicherung als rein operatives Thema oder als Angelegenheit der Finanzabteilungen betrachtet. Heute ist sie jedoch ein echtes Thema auf Gesellschafterebene. In einem volatileren Umfeld wirkt sie sich unmittelbar auf den Betriebskapitalbedarf (BFR), die Widerstandsfähigkeit der Margen und mitunter auch auf die Umsetzung des Investitionsplans aus.

Warum ist dies bei einem LBO oder einer Übernahme besonders strategisch?

T. R. Weil ein Wechsel des Anteilseigners häufig zu einer veränderten Risikobewertung führt. Eine neue Kapitalstruktur, eine neue Verschuldung, ein Carve-out … all dies sind Faktoren, die von Kreditversicherern und Ratingagenturen berücksichtigt werden können.

M. C. Dieses Thema spielt nicht bei jeder Transaktion eine Rolle, sollte aber auf der Checkliste stehen. Ein Lieferantenkredit, der insbesondere durch sinkende Kreditversicherungslimiten geschwächt wird, kann einen unmittelbaren Liquiditätsbedarf verursachen. Das darf nicht erst nach dem Closing auffallen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

M. C. Wir haben kürzlich ein großes Handelsunternehmen begleitet, dessen Veräußerung bevorstand. Seine Geschäftstätigkeit beruhte auf hohen Absatzvolumina und damit auf erheblichen Kundenforderungen, aber auch auf umfangreichen Lieferantenkrediten.

T. R. Es ging darum, die Einschätzung des geplanten LBO durch die Kreditversicherer vorwegzunehmen. Wären bestimmte Kreditlimiten reduziert worden, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Liquidität haben können. Wir haben die Gespräche vorbereitet, die Risiken objektiv bewertet und bei Bedarf alternative Finanzierungslösungen abgesichert.

Die Kreditversicherung, also die Analyse des Kundenrisikos, muss ebenso wie die Verschuldung, die Liquidität, der Betriebskapitalbedarf (BFR) oder die Lieferantenthemen auf der Checkliste eines Fonds bei einem LBO stehen.

M. C. Solche Situationen betreffen nicht nur den Handel. Sie treten auch in der Industrie, im Vertrieb und in bestimmten B2B-Dienstleistungsbereichen mit langen Geschäftszyklen auf.

Kann die Kreditversicherung auch einen Mehrwert schaffen?

T. R. Absolut. Oft wird sie auf eine defensive Funktion reduziert, obwohl sie das Wachstum unterstützen kann. Ein Unternehmen mit ausreichendem Versicherungsschutz kann seine Geschäftsentwicklung leichter finanzieren, neue Kunden mit größerer Sicherheit gewinnen und Krisen besser abfedern.

M. C. Sie kann auch die Finanzierung von Kundenforderungen verbessern. Bei zahlreichen Factoring-Programmen ermöglicht eine gut strukturierte Kreditversicherung eine deutliche Erhöhung der Finanzierungskapazitäten – bei unseren jüngsten Fällen um zehn bis zwölf Prozentpunkte.

T. R. Das ist besonders relevant für Fonds, die einen Unternehmensaufbau durch Zukäufe (Build-up) beschleunigen, organisches Wachstum finanzieren oder die Cash-Generierung vor einem Exit optimieren möchten.

Kann sie zu einem Instrument zur Steuerung des Portfolios werden?

M. C. Ja, und dieses Potenzial wird noch zu wenig genutzt. Die Entscheidungen der Kreditversicherer, die Entwicklung der gewährten Deckungen sowie sektorale oder geografische Konzentrationen liefern wertvolle Hinweise auf die Qualität des Kundenportfolios eines Beteiligungsunternehmens.

T. R. Anders ausgedrückt: Die Kreditversicherung kann zu einem Frühindikator für operative Risiken werden. Die anspruchsvollsten Fonds steuern nicht mehr nur das EBITDA oder die Nettoverschuldung, sondern achten auch auf die Stabilität der Kundenforderungen.

Welche Empfehlungen würden Sie Investoren für 2026 geben?

T. R. Erstens: Das Thema systematisch bereits in die Due-Diligence-Prüfung integrieren – nicht erst nach dem Closing.

M. C. Zweitens: Die Kreditversicherung als Finanzierungshebel betrachten und nicht nur als Kostenfaktor.

T. R. Und schließlich: Sich bei diesen Themen professionell begleiten lassen. Der Markt der Kreditversicherer beruht auf technischen Rahmenbedingungen, Risikoeinschätzungen und strategischen Verhandlungen. Wird das Thema gut vorbereitet, kann es Mehrwert schaffen. Wird es nicht frühzeitig berücksichtigt, kann es unmittelbar zum Problem werden.

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