Factoring: ein strategisches Finanzierungsinstrument, das bereits bei einer Unternehmensübernahme berücksichtigt werden sollte

Factoring ermöglicht eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Finanzierung des Wachstums der Portfoliounternehmen von Private-Equity-Fonds. Dennoch wird Factoring noch nicht systematisch geprüft, was teilweise auf die mangelnde Kenntnis der Vorteile dieser Finanzierungslösung zurückzuführen ist.

Factoring ermöglicht eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Finanzierung des Wachstums von Portfoliounternehmen von Private-Equity-Fonds. Dennoch wird Factoring noch nicht systematisch geprüft, teilweise weil die Vorteile dieser Finanzierungslösung nicht ausreichend bekannt sind. Mit vier von fünf Transaktionen für Unternehmen unter einem LBO ist Fibus Europas führender spezialisierter Factoring-Berater. Maxime Bertin und Romain Chaufour, stellvertretender Geschäftsführer bzw. Direktor, teilen ihre Best Practices.

 

DÉCIDEURS. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Factoring-Einsatzes im Private-Equity-Bereich im Jahr 2025?

Maxime Bertin. Seit 2024 beobachten wir zwei große Trends. Einerseits setzen einige Fonds weiterhin darauf, bereits bei der Übernahme oder sehr kurz nach dem Closing eine Factoring-Lösung einzuführen, um die Liquidität zu optimieren und das Wachstum ihrer Portfoliounternehmen zu beschleunigen. Andererseits erreichen uns Fälle, in denen die finanzielle Lage bereits angespannt ist und Factoring eher zu einer Notlösung als zu einem vorausschauend eingesetzten strategischen Instrument wird. Einige Branchen standen in den vergangenen 18 Monaten unter Druck und benötigten zusätzliche Finanzierungen für den operativen Geschäftskreislauf oder zur Absicherung der Rückzahlung der Akquisitionsfinanzierung.

Romain Chaufour.

Da die Dynamik bei Unternehmensübernahmen noch nicht wieder das Niveau von 2021–2022 erreicht hat, konzentrieren sich einige Fonds stärker auf ihre Portfoliounternehmen. Im vergangenen Jahr haben wir häufig Unternehmen begleitet, die bereits seit mehreren Jahren zum Portfolio gehörten, um neue Finanzierungslinien einzurichten oder bestehende Programme zu optimieren. Ziel war es, die zusätzliche Liquidität zu maximieren und externe Wachstumschancen zu nutzen – und das zu attraktiven Finanzierungskonditionen. Wir setzen unsere Aufklärungsarbeit zum Einsatz dieser Finanzierungsform fort, denn für manche gilt Factoring nach wie vor als ein Kennzeichen finanzieller Schwierigkeiten. Dabei ist es seit 2017 die wichtigste kurzfristige Unternehmensfinanzierung in Frankreich und liegt damit vor dem Kontokorrentkredit. Das zeigt, wie vielseitig Factoring eingesetzt werden kann.

 

Gibt es eine bestimmte Art von Factoring-Vertrag, die sich besonders für Private-Equity-Fonds eignet?

R.C. Bei der Mehrheit unserer Mandate handelt es sich um vertrauliche und regresslose Factoring-Verträge, die mit den Senior-Finanzierungsverträgen vereinbar sind. Sie ermöglichen es, die Finanz- und Bilanzkennzahlen zu optimieren und mitunter durch die Optimierung der Verschuldungskennzahlen auch die Kosten der vorrangigen Finanzierung zu senken.

M.B. Factoring ist eine flexible und anpassungsfähige Finanzierungslösung, die sowohl das Wachstum eines Unternehmens begleiten als auch die Finanzierung seines operativen Geschäftsbetriebs in unsicheren Zeiten absichern kann. Darüber hinaus setzt Factoring eine Absicherung gegen das Risiko von Zahlungsausfällen bei Kundenforderungen voraus und trägt somit dazu bei, die Marge zu sichern – insbesondere bei international tätigen Unternehmen.

 

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse für Private-Equity-Fonds?

M.B. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Factoring kein Instrument für den äußersten Notfall sein sollte. Noch immer ziehen zu viele Fonds diese Finanzierungslösung erst dann in Betracht, wenn ein Unternehmen dringend Liquidität benötigt. Dabei hätte es deutlich günstigere Konditionen erhalten oder bestimmte Schwierigkeiten frühzeitig abwenden können, wenn das Thema rechtzeitig berücksichtigt worden wäre.

R.C. Wir beobachten außerdem eine Entwicklung am Markt: Die Factoring-Anbieter sind weiterhin aktiv, prüfen die Fälle inzwischen jedoch genauer. Um optimale Konditionen zu erhalten, muss ein strukturiertes und sorgfältig vorbereitetes Finanzierungsvorhaben vorgelegt werden können. Darüber hinaus werden Zusammenschlüsse mehrerer Factoring-Anbieter zur gemeinsamen Finanzierung – insbesondere bei größeren Finanzierungslinien – immer häufiger. Das macht die Einrichtung von Factoring-Programmen komplexer, eröffnet gut vorbereiteten Unternehmen jedoch auch neue Chancen.

 

Wie entwickelt sich die Rolle französischer Factoring-Anbieter in Europa und Nordamerika?

M.B. Französische Factoring-Anbieter gehören zu den leistungsstärksten Marktteilnehmern. Sie haben ihr Know-how erfolgreich nach Europa und in die USA exportiert, um ihre Kunden bei länderübergreifenden Programmen zu begleiten und ihnen eine integrierte Lösung für mehrere Länder anzubieten. Diese Entwicklung beschleunigt sich dank fortschrittlicherer technologischer Lösungen, die die Verwaltung länderübergreifender Finanzierungen erleichtern. Dazu gehört insbesondere unsere hauseigene Software ARI zur Steuerung von Factoring-Programmen.

R.C. Auf das internationale Geschäft entfallen 37 % des von französischen Factoring-Anbietern finanzierten Volumens. Es ist der Wachstumsmotor des Marktes. Maßgeblich zu dieser Beschleunigung tragen insbesondere europäische Tochtergesellschaften amerikanischer Konzerne sowie amerikanische Tochtergesellschaften europäischer Konzerne bei. Das ist eine hervorragende Nachricht für Fonds, die Finanzierungen für international tätige Unternehmensgruppen strukturieren möchten.

 

Welche Empfehlungen würden Sie Fonds geben, um ihre Finanzierungsstrategie im Jahr 2025 zu optimieren?

M.B. Entscheidend ist nach wie vor, frühzeitig zu planen. Ein Fonds, der bereits in der Übernahmephase prüft, diese Finanzierungslösung einzubinden, verfügt über eine deutlich stärkere Verhandlungsposition. Außerdem empfehlen wir, Factoring als strukturellen Bestandteil des Portfolios zu betrachten und nicht als punktuelle Lösung. Einige Fonds prüfen systematisch alle ihre Beteiligungen auf den Einsatz von Factoring. Diese strategische Entscheidung zahlt sich aus.

R.C. Ebenso wichtig ist der Einsatz der richtigen Instrumente. Bei Fibus haben wir ARI entwickelt, mit dem Finanzabteilungen ihre Factoring-Programme steuern und sicherstellen können, dass das Finanzierungsvolumen maximiert wird. In Zeiten wirtschaftlicher Abschwächung zählt jede Liquiditätsquelle. Fonds müssen daher sicherstellen, dass ihre Portfoliounternehmen ihre bestehenden Verträge bestmöglich nutzen.

 

Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich 2025 für den französischen Markt?

M.B. Der vor rund 18 Monaten begonnene Rückgang der Zinssätze eröffnet ein günstiges Zeitfenster für die Einführung solcher Finanzierungslösungen. In Frankreich liegen die Kosten für ein regressloses Factoring-Programm etwa 1 bis 2 Prozentpunkte über dem Referenzzinssatz. Das ist nach wie vor sehr wettbewerbsfähig. Wir rechnen mit weiteren Carve-out-Transaktionen, bei denen Konzerne nicht strategische Geschäftsbereiche abspalten. Bei solchen Transaktionen müssen häufig Factoring-Linien eingerichtet werden, um das Cash Pooling mit der bisherigen Muttergesellschaft zu ersetzen. Factoring wird damit zu einem entscheidenden Instrument, um die finanzielle Unabhängigkeit der abgespaltenen Unternehmen sicherzustellen.

R.C. Wir rechnen außerdem mit einem steigenden Bedarf an Erweiterungen bestehender Programme. Viele Unternehmen möchten inzwischen weitere Länder in ihre Factoring-Struktur integrieren und sind dafür gegebenenfalls bereit, den Factoring-Anbieter zu wechseln, um das Finanzierungsvolumen zu optimieren. Das zeigt, dass immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig es ist, ihre Finanzierungen so früh wie möglich strukturiert aufzusetzen.

 

Abschließend: Welche zentrale Botschaft möchten Sie an Finanzentscheider richten?

M.B. Factoring ist ein hervorragendes Instrument zur Wachstumsfinanzierung, aber auch zur Absicherung des Geschäftsbetriebs. Je früher es eingeführt wird, desto besser sind die erzielbaren Konditionen und desto besser ist das Unternehmen gegen unvorhergesehene Entwicklungen geschützt. Fonds sollten diesen Ansatz von Anfang an berücksichtigen.

R.C. Wir finden immer Lösungen, doch bei Fällen, die uns erst in einer akuten Notsituation erreichen, sind die Möglichkeiten eingeschränkter. In den Jahren 2025 und 2026 wird eine frühzeitige Planung den entscheidenden Unterschied machen.

 

Quelle: Décideurs Corporate Finance

Das könnte Sie auch interessieren

Factoring: Kundenforderungen in einen Liquiditätshebel verwandeln

Digitale Lösung
Factoring

Bei der CFO-Morgenveranstaltung zum Thema Cash-Management am 2. Juli haben Romain Chaufour und Sacha Benibri von der Fibus-Gruppe, Europas führendem Beratungsunternehmen für Factoring, die Hebel zur Optimierung des Factorings vorgestellt.

Factoring auf der Suche nach neuen Impulsen

Factoring

Trotz der Verlangsamung des Marktes gibt es zahlreiche Entwicklungsperspektiven. Entdecken Sie die Beiträge von Maxime Bertin, Leiter des Geschäftsbereichs Factoring-Brokerage bei Fibus, zu diesem Thema.